Dynamische Natur triff KulturSterea skia ist eine Werkgruppe, die durch Schatten Räume verwandelt und Räume gestaltet. Bei diesem sprichwörtlich transzendierenden Einsatz von Schatten entwirft Tim Otto Roth immer wieder neue Präsentationsformen, die mit der jeweiligen Ausstellungssituation im Innen- aber auch Außenbereich in Dialog treten. Dabei ist bereits die Projektionsfläche nicht zwangsläufig flach, sondern kann auch skulpturale Züge annehmen oder es kann mal auch über eine Ecke projiziert werden.
Physis Ein zentrales Thema sind immer wieder Schatten in der Natur, mit deren organischen Ausprägungen er sich bereits seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt. Angetrieben wird er dabei vom Konzept der phýsis (φύσις), dem altgriechischen Pendant für Natur, das auf Wachstums- und Entwicklungsvorgänge abhebt. Diese dynamische Natur holt er nun in ganz neuer Gestalt in den Ausstellungsraum und konfrontiert diesen virtuellen Schattenoikos auch gezielt mit kulturellen Artefakten.
lichtsicht Projektionsbiennale (2015/16) Für die 12 Meter hohe und 100 breite Wand des alten Gradierwerks in Bad Rothenfelde hat Tim Otto Roth seine erste große, bewegte sterea skia-Arbeit entwickelt. In den 8 Szenen dieses virtuellen anaglyphischen Schattentheaters verwendet er die 6-Kanäle sowohl für sechs dialogisierende Einzelprojektion aber auch für ein natloses Panorama. Bewusst hat er verschiedene äußerst heterogene Szenen kombiniert, die in Teilen einen ungewohnten Perspektivwechsel einnehmen: So sieht man von unten einen extrem vergrößerten Körperschatten über die kristallbesetzte Reisigwand ziehen. Ebenfalls sieht man aus dieser Erdperspektive eins zu eins nachgebaut den benachbarten Straßenzug aus Bad Rothenfelde mit Bäumen, Fahrzeugen und Fußgängern, die im Zeitraffer von einem rot-blauen Doppelsternsystem beschienen werden.
ⓘ 6-Kanal-Videoprojektion, 09:51 min., kein Ton.
Sprichwörtlich aus einer anderen Dimension stammen geometrische Figuren, die sich in Scheinwerferkegeln drehen – die Schatten von Schatten von mathematischen Hyperobjekten aus der vierten Dimension. Indem Roth sein Schattentheater der Gewohnheitslogik entzieht, wird das alte Gradierwerk zur Bühne, die einen neuen Blick auf das Alltagsphänomen Schatten ermöglicht und dazu einlädt das Gesehene neu zu erfahren
Projektassistenz: Miriam Seidler, Wonbaek Shin, Jun Park
4D-Modell: Prof. Konrad Polthier Fachbereich für Mathematik und Informatik der FU Berlin.
ⓘ 6-Kanal-Videoprojektion, 09:51 min., kein Ton.
Die zweite Natur (2016/17) Sterea skia wurde in der Ausstellung über die Künstlerische Naturreflexionen im digitalen Zeitalter im Haus der elektronischen Künste (HeK) in Basel als 3-Kanal-Projektion präsentiert. Für die Projektion mit einer rot-blauen Doppelsonne hat Tim Otto Roth die Himmelsorientierung der rund 16 Meter breiten Projektionswand in das Schattenszenario aufgenommen und simuliert den winterlichen Sonnenverlauf über der Schweizer Stadt am Eröffnungstag. Das simulierte Licht einer Doppelsonne erschafft ein virtuelles Schattentheater mit einem ganz eigenen Tiefenraum, in dem der Betrachter Alltagsszenen zwischen Natur und Kultur auf eine völlig neue Art und Weise erleben kann.
Die Ausstellung zur Regionale wurde kuratiert von Alexandra Adler und Sabine Himmelsbach.
ⓘ 3-Kanal-Video 1080p (Tages- und Nachtszene), 3:20 Min., ohne Ton.
Phenomenological Lightworks (2017) Drei sterea skia-Arbeiten feierten Premiere im Rahmen von Phenomenological Lightworks, einer Gruppenausstellung zusammen mit Sheila Pinkel (US) und Theopisti Stylianou-Lambert & Omiros Panayides (CY) am NeMe Arts Center in Limassol (Zypern), die von Yiannis Colakides kuratiert wurde. Zu sehen waren rotierende anaglyphische Schatten eines Tesseracts, der über die Ecke projiziert mit der Architektur des Ausstellungsraums spielt. Zum ersten Mal waren Videos aus dem Zyklus Schatten.Zeit.Räume (2013) zu sehen: Mit einer besonderen Technik verwandeln sich die Baumkronen eines Waldes in ein irritierendes räumliches Seherlebnis. Zudem wandelt sich ein 'gehacktes' VolxTV von Jördis Drawe and Uwe Schüler zu einem Schattenraumtheater en miniature.
XX oder der 'Mummelsee in der Pfanne' (2016)Bei dieser Einzeltausstellung in der Städtischen Galerie Offenburg, ließ Tim Otto Roth in einem der Räume die Besucher:innen sprichwörtlich im Wald stehen, allerdings nicht zwischen den Bäumen selbst, sondern inmitten der Baumschatten. Im Computer wurde der modellierte Museumsraum künstlich mit winterlich-blattlosen Bäumen gefüllt und dann mit einer roten und einer blauen Lichtquelle vom Zentrum ausgehend illuminiert. Die Wände wurden so zur Projektionsfläche. Die hängenden Textilbahnen, auf die die Schatten gedruckt wurden sind in einer schwebenden U-Form präsentiert worden, dadurch betonen sie die immaterielle oberflächliche Natur der Welt der Schatten.
ⓘ ca. 280 * 363 * 310 cm, Digitaldruck auf Textil. Die Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Alfred Apelt GmbH in Oberkirch realisiert.
Light from the Other Side (2016) Für die Ausstellung im Foyer des Goethe Instituts in Washington hat Tim Otto Roth das Waldmotiv als Wandarbeit weiterentwickelt und sprichwörtlich entfaltet: Die rechteckige Projektion, wie sie für den Museumsraum in Offenburg entwickelt wurde, wird hier aufgefaltet und damit die räumliche Struktur in der Fläche als riesiger Großplakatdruck präsentiert, der eigens für die Ausstellung produziert wurde. Das Baummotiv nimmt die volle Breite der Wand ein und verwandelt diese in ein Schaufenster zur Schattenwelt.
ⓘ 930 * 275 cm, Digitaldruck auf Papiertapete.
Ausstellungshistorie
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lichtsicht5. Projektionsbiennale, Bad Rothenfelde (D), 18.09.2015–07.02.2016
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XX oder der Mummelsee in der Pfanne, Städtische Galerie, Offenburg, 20.02.–29.05.2016
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Die zweite Natur. Künstlerische Naturreflexionen im digitalen Zeitalter, Haus der elektronischen Künste, Basel (CH), 27.11.2016–08.02.2017