Dynamische Natur triff Kultur Sterea skia ist eine Werkgruppe, die durch Schatten Räume verwandelt und Räume gestaltet. Bei diesem sprichwörtlich transzendierenden Einsatz von Schatten entwirft Tim Otto Roth immer wieder neue Präsentationsformen, die mit der jeweiligen Ausstellungssituation im Innen- aber auch Außenbereich in Dialog treten. Dabei ist bereits die Projektionsfläche nicht zwangsläufig flach, sondern kann auch skulpturale Züge annehmen oder es kann mal auch über eine Ecke projiziert werden.

Physis Ein zentrales Thema sind immer wieder Schatten in der Natur, mit deren organischen Ausprägungen er sich bereits seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt. Angetrieben wird er dabei vom Konzept der phýsis (φύσις), dem altgriechischen Pendant für Natur, das auf Wachstums- und Entwicklungsvorgänge abhebt. Diese dynamische Natur holt er nun in ganz neuer Gestalt in den Ausstellungsraum und konfrontiert diesen virtuellen Schattenoikos auch gezielt mit kulturellen Artefakten.

Phenomenological Lightworks (2017) Drei sterea skia-Arbeiten feierten Premiere im Rahmen von Phenomenological Lightworks, einer Gruppenausstellung zusammen mit Sheila Pinkel (US) und Theopisti Stylianou-Lambert & Omiros Panayides (CY) am NeMe Arts Center in Limassol (Zypern), die von Yiannis Colakides kuratiert wurde. Zu sehen waren rotierende anaglyphische Schatten eines Tesseracts, der über die Ecke projiziert mit der Architektur des Ausstellungsraums spielt. Zum ersten Mal waren Videos aus dem Zyklus Schatten.Zeit.Räume (2013) zu sehen: Mit einer besonderen Technik verwandeln sich die Baumkronen eines Waldes in ein irritierendes räumliches Seherlebnis. Zudem wandelt sich ein 'gehacktes' VolxTV von Jördis Drawe and Uwe Schüler zu einem Schattenraumtheater en miniature.

XX oder der 'Mummelsee in der Pfanne' (2016)Bei dieser Einzeltausstellung in der Städtischen Galerie Offenburg, ließ Tim Otto Roth in einem der Räume die Besucher:innen sprichwörtlich im Wald stehen, allerdings nicht zwischen den Bäumen selbst, sondern inmitten der Baumschatten. Im Computer wurde der modellierte Museumsraum künstlich mit winterlich-blattlosen Bäumen gefüllt und dann mit einer roten und einer blauen Lichtquelle vom Zentrum ausgehend illuminiert. Die Wände wurden so zur Projektionsfläche. Die hängenden Textilbahnen, auf die die Schatten gedruckt wurden sind in einer schwebenden U-Form präsentiert worden, dadurch betonen sie die immaterielle oberflächliche Natur der Welt der Schatten.

ⓘ ca. 280 * 363 * 310 cm, Digitaldruck auf Textil. Die Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Alfred Apelt GmbH in Oberkirch realisiert.

Light from the Other Side (2016) Für die Ausstellung im Foyer des Goethe Instituts in Washington hat Tim Otto Roth das Waldmotiv als Wandarbeit weiterentwickelt und sprichwörtlich entfaltet: Die rechteckige Projektion, wie sie für den Museumsraum in Offenburg entwickelt wurde, wird hier aufgefaltet und damit die räumliche Struktur in der Fläche als riesiger Großplakatdruck präsentiert, der eigens für die Ausstellung produziert wurde. Das Baummotiv nimmt die volle Breite der Wand ein und verwandelt diese in ein Schaufenster zur Schattenwelt.

ⓘ 930 * 275 cm, Digitaldruck auf Papiertapete.

Ausstellungshistorie

lichtsicht5. Projektionsbiennale, Bad Rothenfelde (D), 18.09.2015–07.02.2016
XX oder der Mummelsee in der Pfanne, Städtische Galerie, Offenburg, 20.02.–29.05.2016
Die zweite Natur. Künstlerische Naturreflexionen im digitalen Zeitalter, Haus der elektronischen Künste, Basel (CH), 27.11.2016–08.02.2017
Phenomenological Lightworks, NeMe, Limmassol (CY), 30.09.–25.10.2017
Light from the Other Side. Shadowgraphs by Tim Otto Roth, Goethe Institut, Washington (US), 09.11.2016–13.01.2017
© No.9: im-raum-stehen, COPYRIGHTberlin. Interdisziplinäre Plattform für künstlerische Strategien, Berlin (D), 02.–31.03.2019

Publikationen

lichtsicht5. Texte von Peter Weibel und Idis Hartmann, Heidelberg: Kehrer Verlag 2015.

XX oder der 'Mummelsee in der Pfanne'. Mit einer Einführung von Karin Leonhard, Offenburg 2016.