Hyperschatten (2019) Die Invertierung des Raumes auf die Spitze treibt Tim Otto Roth mit einer leuchtenden Würfelskulptur. Es ist eine Art Matroschka-Spiel der Dimensionen: An den leuchtenden Wänden des Würfels zeichnen sich die anaglyphischen Schattenwürfe eines geometrischen Körpers im Inneren des Würfels ab, der aus dem Zentrum heraus beleuchtet wird. Dieser Körper ist aber selbst sprichwörtlich ein Schatten seiner selbst, ist er doch die Projektion eines vierdimensionalen Körpers. Eine einfache Würfelform wandelt sich zur hyperdimensionalen Schattenskulptur.

ⓘ ca. 50x50x50 cm, Acrylglas, Digitaldruck, Leuchtmittel

Drôle de l'ombre (2017/19) Das dieser Arbeit zugrundeliegende Volx-TV entspringt einer Idee von Jördis Drawe und Uwe Schüler. Ein Minischattentheater, bei dem sich ein kleiner, selbstgewählter Gegenstand auf einer 'Bühne' dreht, von hinten mit einer LED beleuchtet wird und so seinen Schatten auf den frontalen Screen wirft. Tim Otto Roth hat dieses DIY-Set projektiv gehackt und die Lichtquellen durch zwei LEDs in rot und blau ersetzt.
Für die Ausstellung Schatten im Blick? im Wallraf-Richartz-Museum tritt die Arbeit als Drôle de l'Ombre in Dialog mit dem vis-à-vis gehängten Kupferstich zum Platonischen Höhlengleichnis von Jan Saenredam von 1608. Die skurrilen Figuren aus den Ovid'schen Metamorphosen, die sich offensichtlich in der Höhle verirrt haben und dort ihre sonderlichen Schatten werfen, wurden als kleine Figuren nachmodelliert und drehten im Miniaturschattentheater ihre Runden.

ⓘ ca. 20x18x20 cm, Sperrholz, Elektronik, Motor, LED, Transparentpapier

Silizium als Schattenfänger Mit einer Verzögerungstaktik agiert eine weiter würfelförmige Arbeit aus dem Zyklus Schatten.Zeit.Räume. Der transparente Acrylglaswürfel baut auf Roths frühen Videoschattenaufnahmen aus den 2000er Jahren: Eine auf einem Uhrzeiger montierte Lichtquelle projiziert einen Schatten eines miniaturhaften Objekts auf den Silizium-Videochip einer Überwachungskamera. Auf einem kleinen Bildschirm entsteht schließlich ein anaglypher Schattenraum, indem das Liveschattenvideobild mit dem verzögerten Bild von vor einer Sekunde überlagert wird.

ⓘ ca. 15x15x15 cm, mechanisches Uhrwerk, LED, Acrylglas, CCD-Chip, Raspberry Pi, Miniaturbildschirm

Neujahrsedition Zum Jahreswechsel 2015/16 gestaltete Tim Otto Roth bereits eine Heimversion des Hyperschattens. Für diesen Neujahresgruß hatte er einen Schnittbogen als limitierte Offset-Edition entworfen, die mitsamt einer Anaglyphenbrille versandt wurde. Die Empfänger waren somit eingeladen, sich das schattenwerfende Spiel mit dem Raum (inter)aktiv mit Schere und Kleber zu erarbeiten.

Ausstellungshistorie

Hyperschatten
Logische Phantasien, Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg, 07.03.–16.08.2020

Drôle de l'ombre
Schatten im Blick? Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, 28.09.2018–13.01.2019
Phenomenological Lightworks, NeMe, Limmassol (CY), 30.09.–25.10.2017
© No.9: im-raum-stehen, COPYRIGHTberlin. Interdisziplinäre Plattform für künstlerische Strategien, Berlin (D), 02.–31.03.2019

Neujahrsedition
XX oder der 'Mummelsee in der Pfanne', Städtische Galerie Offenburg, 20.02.–29.05.2016

Publikationen

Logische Phantasien. Mit Beiträgen von Sebastian Baden, Thomas Richter and Barbara Maria Stafford, Kehrer Verlag 2020.
Schatten im Blick?, Ausstellungskatalog herausgegeben von Tim Otto Roth & Thomas Ketelsen, Wallraf-Richartz-Museum, Köln 2018.

XX oder der 'Mummelsee in der Pfanne'. Mit einer Einführung von Karin Leonhard, Offenburg 2016.